Oper X

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Mut zum Unbekannten: Koanga

Voodoo-Zauber und Dramatik im Grossen Haus

In der Reihe unbekannter Opern hat das Stadttheater Trier auch in diesem Jahr wieder eine in Vergessenheit geratene Oper ausgegraben und neu inszeniert: „Koanga“ von Frederick Delius. Die Resonanz beim Publikum ist leider gering, schon bei der zweiten Vorstellung war das Grosse Haus des Stadttheaters nur knapp zur Hälfte gefüllt.

Dabei wartet „Koanga“ mit interessanten Themen auf – Voodoo-Zauber, afrikanische Tänze, Liebe, Unterdrückung, Sklaverei, Konflikte zwischen Schwarz und Weiss.

Es geht um den Prinzen und Voodoo-Priester Koanga (Andreas Scheel), der aus Afrika auf eine Plantage in Amerika verschleppt wird. Dort trifft er die Sklavin Palmyra (hervorragend: Karin Clarke) und fügt sich aus Liebe zu ihr in sein Schicksal als Sklave. Der Aufseher Perez (Jochen Schäfer), selbst an Palmyra interessiert, versucht vergeblich, die Heirat der beiden zu verhindern und lässt Palmyra schließlich entführen. Aus Rache wendet Koanga seine Voodoo-Künste an, um die Plantage zu zerstören, während die anderen Sklaven darauf hoffen, von ihm befreit zu werden. Schließlich tötet Koanga Perez, wird aber selbst verletzt und stirbt in Palmyras Armen, die daraufhin Selbstmord begeht.

Bei all dieser Dramatik vermag „Koanga“ jedoch nicht die Zuschauer wirklich zu packen. Das liegt auch an der Musik, die mehr dahin zu plätschern scheint, als Akzente zu setzen, was es den durchweg sehr guten Sängerinnen und Sängern erschwert, ihre Rollen ausdrucksstark zu gestalten. Die Begegnung zwischen Koanga und Palmyra etwa wirkt sehr kurz, fast oberflächlich, entfachte Liebe und Leidenschaft werden nicht deutlich.

Besonders eindrucksvoll ist dagegen das Bühnenbild (Manfred Breitenfellner), das mit Lichteffekten und Höhenunterschieden den Gegensatz zwischen Plantagenbesitzern und Sklaven widerspiegelt.

Egal, wie man „Koanga“ letztlich beurteilt – dem Stadttheater Trier gebührt ein großes Lob für den Mut, solche unbekannten Opern neu aufzubereiten. Es müssen nicht immer Publikumsmagneten sein, vielmehr gibt diese Wiederentdeckung „Koanga“ den Reiz des Besonderen. Und so gesehen wäre dem Stadttheater und vor allem dem Ensemble ein ausverkauftes Haus zu wünschen. (Aufführung: 21.12.)

 

Hirn (oder Finger, oder sonstwas...): Frederick Delius (1862-1934), englischer Komponist, zeitweise Plantagenbesitzer in Florida. Seine Oper „Koanga“ wurde 1904 in Elberfeld uraufgeführt und befasst sich als erste Oper mit dem Leben der Schwarzen. Weitere Werke: „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ (1907), „Messe des Lebens“ (1909), u.a.

 

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© 2002 · Ulrike Flach · Köln, besuchen Sie auch: www.SuperUnterricht.de