Macker Attacks

Macker Attacks

Teil 3

von Domenica di Drallina

„Fleiiiischhhhh“ gurgelte es in schwammigen Lauten auch aus dieser Gestalt hervor, die Ansgar nun mit kalter Gleichgültigkeit beiseite schob und sich in kleinen mechanischen Trippelschritten auf die rotbraungelbe Wabbelmasse zubewegte. Wie schon die beiden anderen Wesen, denen Ansgar nur knapp entkommen war, zückte sie ein blitzendes Instrument in Form eines überdimensionalen Spiralhakens. Mit schier übermenschlicher Wucht stieß sie es in die Masse, während bereits abgeteilte Stücke von den anderen Wesen weggetragen wurden.

Ansgar stolperte rückwärts, unfähig, seine Augen von diesem Geschehen abzuwenden. Seine Panik hatte sich etwas gelegt, die merkwürdigen Wesen schienen ihn gar nicht wahrzunehmen, mit ihren metallenen Sezierwerkzeugen hatten sie es offenbar nur auf dieses wallende, wabernde Etwas, das sie mit „Fleiiischhhh“ betitelt hatten, abgesehen. Fleisch? Die Masse türmte sich mannshoch und bedeckte fast die ganze Wiese vor der Mensa, wie sollte das Fleisch sein? Und merkwürdige Wesen? Bei einem dieser Wesen handelte es sich doch offenbar um seine einst so geliebte Petra, oder zumindest um das, was von ihr übrig war - eine willenlose, apathisch fleischfixierte Hülle.

Diese Mutation mußte irgendwie mit dem AK Mensa zusammenhängen, in dem sich Petra in der letzten Zeit so engagiert hatte. Doch wie paßte der Name Tecklenburg da hinein? Er kam Ansgar merkwürdig bekannt, fast schon vertraut vor, doch er wußte nicht, woher. Positive Gefühle hingen mit ihm jedenfalls nicht zusammen, soviel war klar. Ansgar schüttelte den Kopf und holte tief Luft, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Das metzelnde Treiben vor der Mensa noch ungehemmt im Gange, er mußte erstmal weg hier, bevor er doch noch von irgendwem oder irgendwas bemerkt wurde.

Halb stolpernd, halb rennend machte sich Ansgar auf den Weg. Erst gut außer Sichtweite machte er kurz halt, um zu verschnaufen. Als er sich durch die Haare fuhr, zuckte er angeekelt zusammen. Etwas von der blutigen Masse war an ihm kleben geblieben. Vorsichtig betrachtete er den undefinierbaren Schmier. So etwas hatte er noch nie zuvor gesehen. Nur der Geruch, der von seinen Händen aufströmte, schien ihm bekannt vorzukommen. Entfernt erinnerte er an Wurst. Ansgar schnüffelte. Bratwurst vielleicht, möglicherweise Sülze.

Zwischen Schrecken und Ungläubigkeit machte sich in Ansgar plötzlich ein ganz neues Gefühl breit, das Gefühl von Entdeckung und Abenteuer. Ohne Zweifel war er als Zeuge  dieses nächtlichen Geschehens hinter irgendetwas übermenschlich Geheimnisvolles gekommen. War dieses wurstförmige Gewölbe auf dem Dach der Mensa womöglich wirklich ein Ufo? War er hier auf dem Campus von Außerirdischen umgeben? Was hatte dieses ekelige Zeug in der Mensa zu suchen? Ansgar rückte entschlossen seine Nickelbrille zurecht. Was auch immer sich da abspielte - er würde es herauskriegen, gleich morgen würde er an der Uni mit seinen Nachforschungen beginnen...

 

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