Reihern wie Gott in Belgien
Die Schreckensmeldungen von Rinderwahn und Schweinepest sind gerade verdaut, da kommt’s ganz dick: Dioxin in Hühnern, Rindern, Eiern, Milch (also im Grunde überall), vergiftete Cola (auch wenn es sich dabei lediglich um ein „Qualitätsproblem“ handelte) und genmanipulierte Supergemüse führen die Hitliste der Gaumenschrecken an. Und auch wer den Gürtel enger schnallt ist nicht auf der sicheren Seite, denn Abfallstoffe im Tee und belastetes Diätpulver runden die derzeitige Horrorspeisekarte ab.
Sogar bei den Fernsehköchen, von Johann Lafer über Christiane Herzog bis hin zu Bio, macht sich allmählich betretenes Schweigen breit. Schließlich gibt es kaum etwas, das der Nation noch mit unbeschwertem Lächeln vorgekocht werden kann. Was sollte man heutzutage überhaupt noch kochen?
Einen kleinen Trost gibt es wenigstens: Die Zahl der Lebensmittelerpressungen dürfte zurückgehen. Denn wo unter jedem Joghurtdeckel die Schadstoffe sowieso schon Schlange stehen, wäre es doch wirklich albern, die Verbraucher mit Giftanschlägen schrecken zu wollen.
Bleibt nur die Hoffnung, daß sich manche Stoffe gegenseitig neutralisieren. Zum Beispiel die Antibiotikareste im Hacksteak als BSE-Prohylaxe dienen, oder Eisbein zukünftig die Grippeimpfung ersetzt. Das wären mal gute Neuigkeiten.
Egal, wer lebt, lebt halt gefährlich, schließlich können wir auch alle morgen vom Meteoriten getroffen werden. Also, was soll’s?
Hauen wir ruhig das Steak der BSE-Kuh, die die vermehlten Reste diverser Dioxin-Hühnchen wiedergekäut hat, auf den Grill, nagen wir mit Amalgam-geflickten Zähnen den multipel geklonten Gen-Maiskolben ab und spülen wir das Ganze mit einem kräftigen Schluck qualitätsproblematischer belgischer Cola runter.
No risk, no fun – in diesem Sinne: Guten Appetit!
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