Jetzt isser drin

Jetzt isser drin!

Nachdem uns Boris Becker jahrelang Schokocreme vorgegessen hat, weist er jetzt den Weg ins Internet. „Ja, binnich da jetz schon drin oddawas?“ staunt er werbewirksam in die Kamera und verkündet wenig später: „Dassis ja einfach!“

Doch obwohl Bobbele herzig strahlt, können wir uns nicht so recht mit ihm freuen. Wissen wir doch als langjährige PC-User, dass nichts, was im entferntesten mit Computern zu tun hat, jemals einfach ist.

Oder werden Arbeitsspeicher durch entspanntes Sitzen am Schreibtisch konfiguriert? Werden etwa Viren dadurch bekämpft, dass man mit Kulleraugen in den Bildschirm lächelt?

Mitnichten: Selbst einfache Software-Installationen führen häufig zu Marathonsitzungen, in denen ein Problem das nächste jagt, Jumper gesettet, Laufwerke defragmentiert und LTPs neu festgelegt werden müssen, Blut, Schweiss und Tränen fliessen und die Nerven blank liegen. Wenn dann noch jemand in Babs-Becker-Manier dazu meint „Wir müssen schleunigst ins Internet“, liegt ein Ehedrama wohl näher als das eifrige Werkeln, das Boris an den Tag legt.

Aber so ist sie halt, die heile Welt, die uns die Werbung tagtäglich vorführt, für Realismus ist kein Platz. Das gilt auch für die aktuellen „Premiere“-Spots, mit Loddar zum Beispiel, oder Modern Talking. Es mag ja schön sein, dass man jetzt aus fünfhundert verschiedenen Kanälen wählen kann. Doch wer, außer Fußballern und Popstars natürlich, hat denn überhaupt die Zeit, zwanzig Spielfilme und alle Bundesligaspiele gleichzeitig anzugucken? Eben.

Deshalb: Glotze aus, Werbung adé, es gibt Schöneres zu tun. Schließlich dürfte auch Boris kaum die ganze Nacht mit Babs durch’s Internet surfen, wenn er erst mal „drin“ ist.

 

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© 2002 · Ulrike Flach · Köln, besuchen Sie auch: www.SuperUnterricht.de