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Alte Säcke und soo’n Bart: Von drauß’ vom Walde...

Ein rot-weisses Gewand und gute Laune haben sie alle: Die Schoko-Nikoläuse, die seit Ende August wieder die Ladentheken bevölkern. Zahlreiche Unterschiede im Detail erschweren den Überblick. Die (nu) hat sich umgesehen und stellt hier exklusiv die neuesten Trends vor.

Klassisch-edel präsentieren sich Lindt und Reber, mit weissen Handschuhen und Geschenkpäckchen in Gold. Der Milka-Weihnachtsmann mit Sack in unvermeidlichem lila zeigt eine farbliche Variante. Schade nur, dass seine Gesichtszüge schwer an den Oster-Kollegen „Schmunzelhasen“ erinnern.

Der Vertreter von Brandt (z.B. bei Aldi), solide und traditionell im Outfit, bietet das beste Preis-Leistungsverhältnis. Für Schlagzeilen könnte Wissoll sorgen, dessen Nikolaus mit geradezu phallischer Kopfbedeckung provoziert.

Wer dem Konsum abschwören und sich spirituell ausrichten möchte, sollte bei den religiös angehauchten Exemplaren zugreifen (gibt’s z.B. an der DEA-Tankstelle). An die Stelle von Sack, Geschenken und Zipfelmütze treten Bischofsstab, Gebetbuch und Mitra mit Kreuz, was vor dem Verzehr zu kurzem, besinnlichen Verweilen einlädt.

Den Knüller aber gibt’s in Luxemburg: das Nikolaus-gewordene Ü-Ei! Mit einem neckischen „Coucou! Retrouve-moi à l’intérieur...“ werden die Verbraucher auf den innewohnenden Bastelsatz hingewiesen. Das sonst so gierige Zerschmettern der Schokoladengestalt wird hier mehr zu einem Akt des Entdeckens – also fast schon pädagogisch wertvoll. Überhaupt gibt sich dieses Exemplar mit Nickelbrille und Fragezeichen auf dem Gewand recht intellektuell und bietet sich daher auch für Akademiker an.

Außer Konkurrenz läuft „Nikola“, Vorreiterin der Gleichberechtigung auf dem Schokoladensektor. Auch wenn ihre Attribute (knappes Röckchen, üppige Oberweite und wallendes Goldhaar unter der Zipfelmütze) weniger emanzipiert als sexistisch erscheinen, bieten sie Vorteile – an einem Kate-Moss-Typ wäre schließlich nicht viel dran gewesen.

Außerdem: Was sind schon Äußerlichkeiten? Die inneren Werte zählen, vor allem einer: der zarte Schmelz. Und den konnten alle Testexemplare vorweisen...

 

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© 2002 · Ulrike Flach · Köln, besuchen Sie auch: www.SuperUnterricht.de