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Empfehlung der Saison
Wer oder was ist eigentlich dekadent? Groupie-Exzesse irgendwelcher Popstars? Der Hype um die Big-Brother-Durchschnittsmenschen? Oder Ernst Augusts öffentliche Erleichterung auf der Expo?
Nein, Dekadenz fängt ganz woanders an, etwa bei der aktuellen Produktpalette zur Pflege unserer lieben Haustiere. Beispiel Katzenstreu: „Saugt auf bevor Geruch entsteht“ – das klingt für den uninformierten Verbraucher durchaus wünschenswert und sinnvoll, ist aber längst nicht mehr als Standard. Das „Katzenstreu mit frischem Frühlingsgras-Duft“ muß es mindestens sein, und wer es Mieze richtig schön machen will, greift zu folgendem: „Ein nahezu staubfreies, weiches Katzenstreu aus superklumpendem Granulat, das nicht an den Pfoten ihrer Katze haftet. Dieses Naturprodukt hat 320% Saugkraft und verströmt einen leichten Babypuderduft.“ Das wäre ja auch mal was für Ernst August...
Superklumpend und babypuderduftig, diese Eigenschaften kann nur noch ein Streu toppen – genau, das mit den „abgerundeten Körnchen“. Da gibt es Katzen, die aus Heimweh einmal quer durch die USA laufen, und wir kaufen abgerundete Streu, damit die empfindlichen Pfötchen nicht leiden. Da ist es fast noch sinnvoller, in eine Polsterung unserer eigenen Klobrille zu investieren...
Oder man leistet sich das selbstreinigende Katzenklo, überwacht durch elektronische Sensoren, die perfekte Lösung für den „innovativ-modernen Katzenhaushalt“, so die Werbebroschüre.
Tja, für Katzi ist eben nichts zu teuer, angefangen vom Kratzbaum „Traumland“, über die hypoallergene Schonkost bis hin zum Futter mit Hairball-Transit-System. Mit letzterem ist übrigens nicht etwa ein neues Flughafenleitsystem gemeint – nein, durch das Hairball-Transit-System können Katzen ihre verschluckten Haare ganz verdauen und sie, anstatt auf den Teppich zu kotzen, zusammen mit der kurz zuvor verspeisten „Empfehlung der Saison“ auf den liebevoll abgerundeten Körnchen platzieren.
Immerhin ist diese Form der Dekadenz wesentlich kostengünstiger als Aktionen von Art des Welfenprinzen. Und sie ließe sich an der Uni pflegen – etwa in Form der Fellmaus mit installiertem Mikrochip, die bei Berührung quiekt, zu unaufhörlichem Spielspaß animiert und die ein oder andere Vorlesung aufpeppen könnte. Unmöglich? Nö - höchstens dekadent.
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